Mnemotechnik

Was ist das, die Mnemotechnik? – Nein, das ist kein Tippfehler, das Wort wird wirklich so geschrieben 😀

Ursprung in der griechischen Antike

Das Wort „Mnemotechnik“ kommt von dem altgriechischen mneme, das soviel wie „erinnern“ oder „Gedächtnis“ heißt.

Auch die Mnemotechnik selbst hat ihren Ursprung in der der Antike. Es ist eine verblüffend einfache und effektive Lernmethode, die damals von den Rhetorikern angewandt wurde, die bei den Volksversammlungen immer ziemlich lange Reden hielten. Okay, das können unsere Politiker heute auch 😉

Aber im Unterschied zu uns heute hatten die Redner damals keine Zettel oder Karten (oder gar Teleprompter), von denen sie die Stichworte oder sogar Ihre ganze Rede ablesen konnten. Nein, sie mussten alles, die ganze ausgeklügelte Struktur ihrer langen Rede logisch geordnet im Kopf haben. Auswendig. Wer kann das heute noch?

Nun, die Rhetoriker hatten damals auch keine Wundergehirne. Sie waren aber so schlau, eine Technik zu entwickeln, mit deren Hilfe sie sich alle Stichpunkte für ihre Rede in der richtigen Reihenfolge merken konnten: die Mnemotechnik.

Heute sind es vor allem die Gedächtniskünstler, die sich diese alte Technik zunutze machen und damit wirklich beeindruckende Leistungen vollbringen: Sie merken sich ellenlange Zahlenreihen oder Kartenfolgen, Listen mit unterschiedlichen Fakten und Informationen, prägen sich in null Komma nichts die Namen von zahlreichen wildfremden Menschen ein usw.

Auch in Management- und Mitarbeiterseminaren wird diese Technik mittlerweile eingeübt, weil sie so erstaunlich effektiv ist!

Aber wie funktioniert die Mnemotechnik nun?

Sie kennen doch bestimmt die so genannten „Eselsbrücken“?

Ein Beispiel:

Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich.

Oder:

Nie ohne Seife waschen. – Die Anfangsbuchstaben stehen hier für die vier Himmelrichtungen im Uhrzeigersinn (Norden – Osten – Süden – Westen).

So in etwa funktioniert auch die Mnemotechnik. Nur ein bisschen anders. 😉

Es kommt nämlich ein wesentliches Merkmal hinzu: die bildliche Vorstellungskraft.

In der Hirnforschung hat man inzwischen herausgefunden, dass Bilder wesentlich besser im Gedächtnis hängenbleiben als Wörter oder Zahlen.

Bei der Mnemotechnik werden daher die bildliche Vorstellungskraft und bestimmte Arten von Verknüpfungen genutzt, um neue Informationen in einer bestimmten Reihenfolge im Gedächtnis abzuspeichern.

Die Reihenfolge kann sich an bestimmten, festgelegten Punkten orientieren, mit denen die Bilder verknüpft werden, oder die Bilder werden einfach aneinandergekettet und zu einer fantasievollen Geschichte verbunden.

Merkgeschichten und Verknüpfungen

Diese Geschichten oder Bild-Verknüpfungen können ruhig ein bisschen merkwürdig und verrückt sein, denn an ungewöhnliche Dinge erinnern wir uns besser, als an gewöhnliche.

Ein Beispiel:

Ein Mann geht zur Arbeit. Er geht an einer schwarzen Mülltonne vorbei und steigt dann in sein weißes Auto. Er fährt durch seine Straße, links und rechts an lauter Einfamilienhäusern vorbei. Die Straße ist von großen Eichenbäumen gesäumt. Am Ende der Straße sieht er ein Stop-Schild, hält vorschriftsmäßig an und biegt dann nach links auf die Hauptstraße ab. Die Hauptstraße ist dicht befahren, er hält an vielen Ampeln an und kommt an vielen Schildern vorbei. Rechts stehen lauter hohe Wohnhäuser und links reihen sich die Geschäfte aneinander …

Konnten Sie sich das gut vorstellen? Vermutlich schon, denn solche oder ähnliche Situationen erleben wir ja selbst jeden Tag.

Aber genau das ist das Tückische: Das Gewöhnliche, das Alltägliche, das Normale ist fast immer gleich. So gleich, dass wir es schon gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Und was wir nicht richtig wahrnehmen, können wir uns auch nicht richtig merken bzw. später nicht mehr genau im Gedächtnis abrufen.

Und nun stellen Sie sich mal Folgendes vor:

Ein Mann geht zur Arbeit. Auf dem Weg zu seinem Auto kommt er an einer orangefarbenen Mülltonne vorbei. Er öffnet diese knallig-orangefarbene Mülltonne, schaut hinein und angelt einen grünen Hut heraus. Diesen grünen Hut klopft er ein wenig ab und setzt ihn sich auf den Kopf. Er geht weiter zu seinem Auto, das mit schottischen Karos verziert ist, und steigt ein. In dem Moment, als er den Motor startet, hört er ein lautes Hupen und erschreckt sich. Kopfschüttelnd fährt er los. Nach etwa 100 Metern muss er aber gleich wieder anhalten, weil ein Baum umgefallen ist und nun quer über der Straße liegt. Was ist denn da passiert? …

Wie ging es Ihnen beim Lesen? Haben Sie sich vielleicht geekelt, als der Mann sich den Hut aus der Mülltonne aufgesetzt hat? Wie schätzen Sie diesen Mann ein, der ein Auto mit Schottenmuster fährt, ist er ihnen eher sympathisch oder unsympathisch? Woran haben Sie gedacht, als auf einmal die Hupe losging, hätten Sie sich wohl auch erschreckt? Und der umgefallene Baum auf der Straße – an den hätten Sie sich als Autofahrer bestimmt auch noch am Abend erinnert …

Ungewöhnliche Dinge und besonders Dinge, die Emotionen in uns wecken (positive wie auch negative), bleiben viel besser im Gedächtnis!

Und darum geht es ja bei der Mnemotechnik.

Um die Informationen später dann auch abzurufen (denn darum geht es ja 🙂 ), geht man im Kopf die gemerkte Geschichte durch bzw. hangelt sich an den zuvor festgelegten Punkten entlang. Jedes dieser Bilder wird nun wieder zurück-„übersetzt“ – in die Zahlen oder Wörter oder Buchstaben oder was auch immer man sich mit ihrer Hilfe gemerkt hat.

Verwendung der Mnemotechnik

Um die Mnemotechnik in ihrer ganzen Kunst anzuwenden, braucht es ein paar Vorbereitungen. Zum Beispiel muss man, um sich lange Zahlenreihen merken zu können, bestimmte Zahlenbilder einprägen, man muss verschiedene „Merkpunkte“ für sich festlegen und vor allem muss man eins: üben, üben, üben.

Die Fantasie muss zu Anfang erst wieder richtig in Schwung gebracht werden. Auch der Umgang mit den „Hilfsgerüsten“ muss geübt werden, bis man darin ganz sicher ist. Und schließlich muss man auch lernen, nicht mehr benötigte Merkgeschichten wieder zu vergessen 🙂

Es ist also eine Wissenschaft für sich, die man sich nicht mal eben nebenbei aneignen kann.

Aber: Man kann die Mnemotechnik mit anderen Lerntechniken verbinden, sodass sie auch ohne lange Vorbereitungszeit genutzt werden kann. Auf diese Weise funktioniert auch die Lernmethode in meinen Seminaren und im Selbstlernkurs zum 10-Finger-System. Wie genau, das erkläre ich im nächsten Blogbeitrag 🙂

 

 

 

 

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